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Verein
 

Gründung und Entwicklung des Vereins

Zur Jahrhundertwende 1900 bestanden in der Wein- und Sektstadt Hochheim am Main – neben Kirchenchören – insgesamt vier Gesangvereine:

- Männergesangverein Harmonica auch „Harmonie“ genannt
- Männergesangverein Concordia
- Männergesangverein Germania
- Männergesangverein Liederkranz 1866

In den Jahren nach dem ersten Weltkrieg setzte in den bestehenden Vereinen bald wieder eine lebhafte Tätigkeit ein. Ganz besonders waren es die Gesangvereine, die sich in kurzer Zeit eine beachtenswerte Stellung innerhalb des gesellschaftlichen Lebens errungen hatten. „Deutsches Wort und deutscher Sang“ erweckten damals bei allen Bevölkerungsschichten derartige Begeisterung, dass man sich zu größeren Vereinigungen zusammenschloss. Die bestehenden Vereine hatten teilweise nur 30 bis 40 aktive Sänger und konnten sich somit nur bedingt größeren Aufgaben stellen. So entstand auch in Hochheim die Idee, einen großen leistungsstarken Männerchor zu gründen.

Aus diesem Grunde wurden die in Hochheim bestehenden sechs Gesangvereine am 10. November 1924 im Hochheimer Stadtanzeiger zu einer Versammlung mit dem Ziel der Vereinigung aufgerufen. Bereits einen Tag später, am 11. November 1924, fand in der Gaststätte „Traube“ das erste Treffen aller interessierten Sänger statt.
Der Gedanke der Vereinigung stieß einerseits auf Zustimmung, andererseits bei einem Teil der Vereine und deren Mitgliedern auf Ablehnung.
Eine Vereinshierarchie, bei der die Vereinspräsidenten eine große Rolle als Geldgeber und zum Teil auch als Arbeitgeber spielten, gestattete keine Fusion. So verhandelten die Vorstände der Vereine zwar untereinander, man war überwiegend aber nicht bereit auch die Eigenständigkeit aufzugeben.
So scheiterten die Verhandlungen letztendlich und fünf Vereine stimmten gegen einen Zusammenschluss. Lediglich der Männergesangverein Liederkranz 1866 hatte einen solchen befürwortet.

Am 25. November 1924 fand in der Gaststätte „Rose“ die Gründung des Männergesangvereins „Sängervereinigung 1924 Hochheim am Main“ statt. In eine ausgelegte Liste hatten sich 80 Sänger als neue Mitglieder eingetragen.
In der ersten Generalversammlung in dem als Vereinslokal ausgewählten Gaststätte „Krone“ wurde folgender Vorstand gewählt:

Vorstand bei Gründung:

Vorsitz Name
Erster Vorsitzender Adolf Wirschinger
Zweiter Vorsitzender Heinrich Schmelz
Erster Schriftführer Peter Schreiber
Zweiter Schriftführer August Martin
Erster Kassierer Willi Schäfer
Zweiter Kassierer Jakob Müller
Stimmendeputierer Michael Hartmann
Archivar Julius Horneck
Fähnrich Adam Merker

Von 1924 bis 1999 ...

Die erste Chorprobe fand am 15. Dezember 1924 mit 94 Sängern statt und bereits am 5. April 1925 wurde ein erstes Chorkonzert mit über 100 Sängern aufgeführt.
An Pfingsten 1927 nahm die Sängervereinigung an der Jubiläumsfeier zum 80jährigen Bestehen des Sängerbundes Flörsheim teil und kehrte von dem Wettstreit mit einem ersten Preis zurück.
Großen Anklang bei den Mitgliedern und der Bevölkerung fanden die Chorkonzerte sowie auch von der Vereinsführung initiierte Veranstaltungen wie z.B. Fahnenweihe, Stiftungsfeste, bunte Abende und Fastnachtsveranstaltungen (Maskenbälle). Es war eine Selbstverständlichkeit, dass sich der Verein auch an Festumzügen und dem Weinfest der Stadt Hochheim beteiligte.


Mit zwei Bussen startete die Sängervereinigung an Pfingsten 1939 für drei ereignisreiche Tage zum befreundeten Werkschor der Maschinenfabrik Kieserling & Albrecht in Solingen.
Einige Wochen nach diesem Ereignis brach der 2. Weltkrieg aus und bereits am 8. September 1939 fiel Kaspar Ruelius als erster Sänger der Sängervereinigung.
Die Jahre des 2. Weltkrieges waren für alle Vereine eine harte Zeit. Durch den Einzug vieler aktiver Sänger zum Militärdienst konnte eine geregelte Chorprobe nicht mehr stattfinden. Daraufhin bildete sich unter der Leitung von Herrn Wilhelm Schlosser im Oktober 1941 eine „Kriegs-Chorgemeinschaft“ an der alle noch zu Hause verbliebenen Sänger teilnahmen. Im Jahr 1942 musste aber auch dieser Chor seine Proben ganz einstellen.


Nach der Kapitulation im Mai 1945 war zunächst von der Besatzungsmacht jegliche Vereinstätigkeit untersagt worden. Erst nach Inkrafttreten eines Kontrollratsgesetzes stellte die Sängervereinigung 1924 Hochheim am Main am 28. Februar 1946 einen Antrag auf Zulassung der Vereinstätigkeit. Am 15. Juni 1946 konnte unter der Leitung des Dirigenten Heinrich Schacker die erste Chorprobe nach dem 2. Weltkrieg mit 45 Sängern stattfinden. Trotz leerer Kasse, das Bankguthaben war von der Besatzungsmacht gesperrt worden, konnte aufgrund der großen Opferbereitschaft und dem Engagement aller Vereinsmitglieder nach achtjähriger Pause am 22. September 1946 ein Volksliederkonzert unter der Mitwirkung der Hochheimer Sopranistin und heutigem Ehrenmitglied der SVH, Frau Anneli Waas und dem städtischen Orchester aufgeführt werden.
Zu einer herausragenden Veranstaltung entwickelte sich die Aufführung der Operette „Im weißen Röß’l“ am 18. Januar 1947 im „Kaiserhof“. Sie war ein so großer Erfolg, dass sie in der Folgezeit noch zehn Mal wiederholt werden musste. Dieser Erfolg führte auch dazu, dass zum Ende des Jahres 1947 100 aktive Sänger verzeichnet werden konnten.


Mit dem 25-jährigen Vereinsjubiläum stand im Jahr 1949 die nächste Großveranstaltung an. An fünf Festtagen wurde vom 25. bis 29. Juni 1949 ein großes Sängerfest mit Wettstreit veranstaltet, das nicht nur in Hochheim, sondern auch in der näheren und weiteren Umgebung Beachtung fand.
Ein weiterer Meilenstein in der Vereinsgeschichte der Sängervereinigung 1924 war die Gründung eines Frauenchores. Auf Initiative des damaligen Chorleiters Wilhelm Ochs wurde im Mai 1959 der Frauenchor mit 31 aktiven Sängerinnen gegründet. Die SVH konnte von da an mit drei Chorgruppen auftreten:
Männerchor, Frauenchor und dem aus den beiden Chorgruppen gebildeten gemischten Chor.


In den folgenden Jahren besuchte die Sängervereinigung viele Wettstreite sowie Freundschafts- und Kreischorkonzerte die oftmals mit Leistungsprüfungen verbunden waren.
Viele große Konzerte und Aufführungen bekannter Komponisten sorgten immer wieder für gut gefüllte Konzertsäle und begeisterten das Publikum. Besonders erwähnenswert unter diesen Veranstaltungen waren die Aufführung der Krönungsmesse, das Weihnachtsoratorium, die Lukas-Passion sowie Opernkonzerte und Lieder aus verschiedenen Epochen bis hin zu japanischer Chorliteratur, die Prof. Cadow einstudierte. Eine Aufstellung der Konzerte und Auftritte der Chöre ab dem Jahr 1961 finden Sie am Ende des Artikels.
Die Aktivitäten der Sängervereinigung 1924 beschränkten sich allerdings nicht nur auf den Bereich Hochheim. Verbindungen zu anderen Chören wurden aufgenommen und gepflegt so z.B. zu dem Männerchor in St. Wendel/Saar, dem Operachor „Bel Canto“ in Den Haag mit Aufführung eines Operettenkonzertes sowohl in Hochheim als auch in Den Haag oder dem Männergesangverein München-Ramersdorf mit dem gemeinsamen Weihnachtskonzert im Mainzer Schloss unter Beteiligung des Knabenchores aus Bad Tölz.

Nach 1999...

Im Jahr 1999 beging der Männerchor sein 75jähriges und der Frauenchor sein 40jähriges Bestehen. In einem großen Jubiläumskonzert stellten sich die drei Chorgruppen am 18. April 1999 in der Stadtsporthalle einem großen interessierten Publikum vor. Das von dem Ehrenvorsitzenden Bernd Kosel und dem Dirigenten Wolfgang Hauck zusammengestellte Programm der Sängervereinigung reichte von geistlicher über weltliche Musik bis hin zu heiter-beschwingten Liedern aus Oper, Operette und Musical.
Den Abschluss des Jubiläumsjahres bildete am 31. Oktober 1999 eine „akademische Feier“ im katholischen Vereinshaus in der Wilhelmstraße, bei der Politiker, angeführt von Herrn Bürgermeister Schindler und die Vertreter anderer Vereine ihre Aufwartungen machten, um dem Jubilar zu gratulieren.
Im Rahmen der Feier wurde Herr Kreischorleiter Wolfgang Hauck, der die Chorgruppen seit 1974 leitete, für sein 25-jähriges Dirigentenjubiläum geehrt.

Seit der Gründung des Frauenchores im Jahr 1959 bestand die Sängervereinigung 1924 Hochheim am Main e.V. bis zum Jahr 2000 aus einem Männerchor, einem Frauenchor und einem aus beiden Chören gebildeten gemischten Chor.
In seiner Sitzung am 13. Januar 2000 hat der Gesamtvorstand nach eingehenden Beratungen beschlossen, einen Kinder- und Jugendchor zu gründen, was in der Jahreshauptversammlung am 29. Januar 2000 zustimmend zur Kenntnis genommen wurde. Damit begann für die Sängervereinigung eine Veränderung der jahrzehntelangen gültigen Strukturen und eine Bewegung in die Zukunft.
Mit der Gründung war insgeheim auch die Hoffnung verbunden, dass jüngere Erwachsene, z.B. Eltern, die bestehenden Chöre verstärken würden. Obwohl sich dies so nicht ergeben hat, war eine andere erfreuliche Entwicklung zu verzeichnen.
Im Dezember 2002 trat erstmals zum Weihnachtsmarkt der Stadt Hochheim am Main der „Junge Chor“, der sich heute den Beinamen „Singing Generations“ gegeben hat, abgekoppelt von dem Kinder- und Jugendchor, auf. Beide neu gegründeten Chorgruppen haben eine erfreuliche Entwicklung genommen. Zu Beginn trat der Junge Chor noch als reiner Frauenchor auf. 2003 entwickelte sich darauf ein gemischter Chor - so wie er heute auch noch besteht.
Die Sängervereinigung 1924 Hochheim am Main e.V. bietet damit in fünf Chorgruppen Menschen jeden Alters, die Freude am gemeinsamen Singen haben, die Möglichkeit, neben der klassischen Chorliteratur z.B. auch Gospel, Spiritual, Musical und Pop zu singen.
Die Erweiterung auf fünf Chorgruppen führte auch zu einer Neustrukturierung der bisherigen zentralistischen Vorstandsorganisation. Um ein eigenständiges Arbeiten innerhalb der Chorgruppen zu gewährleisten, wurden einzelne Abteilungen mit Abteilungsvorständen gebildet, die entsprechend den Bedürfnissen in den Abteilungen schnelle und effiziente Entscheidungen auf der Grundlage der Vereinssatzung und der Finanzpläne treffen können.
Mit Wirkung vom 1. Januar 2005 ist die neue Organisationsstruktur und die damit verbundene Satzungsänderung in Kraft getreten.